Ein Briefwechsel der besonderen Art, mit Höhenflügen und Tiefsinn, wertvollen Einblicken und tollen Aussichten. Folge 7: Durchzogene Erinnerungen an die Schulzeit. Und Unverständnis für jene, denen es an Empathie fehlt.

Liebe Jana
Merci für deinen letzten Beitrag! Du hast geschrieben, dass Lehrkräfte für euch ein Rätsel sind und ihr euch fragt, wie sie es ein Leben lang in der Schule aushalten, und warum die einen Tests innert zwei Wochen korrigieren, während andere viel länger brauchen. Dann fragtest du nach Schulerinnerungen und meinen Lieblingsfächern.
«Ich gehe gern zur Schule. Aber auch nicht, weil zur Schule ja auch Kinder gehören.» Genau diesen Satz hatte ich mal geschrieben. Tatsächlich war ich bis zur achten Klasse ein zartes Pflänzchen. Ich hatte nicht nur vor Sporttagen Bauchweh, sondern auch vor der Vorstellung, wie qualvoll «morgen» wieder werden könnte. Ich wurde gehänselt, weil ich so elend langsam die Kletterstange hochkam, aber auch, weil ich in eine Freikirche ging. Erst mit 14 wuchs mein Selbstvertrauen und ich lernte, mich auch für mich einzusetzen…
Lieblingsfächer waren Geschichte und Geo, nicht aber Deutsch. Satzteilbestimmungen & Co. gingen mir gewaltig auf den Keks. Bei den Aufsätzen aber war ich immer stark. Obwohl mir Mathe und Buchhaltung nicht lagen, schloss ich das KV dank fleissigem Lernen in beiden Fächern mit «eme füfehalbi» ab.
Meine neue Frage an dich: Wie betrachtest du die allgemeine («geopolitische») Lage? Und wie
denkst du heute über die Berufswahl, nachdem du so lange hin und her gerissen warst?
Häbs guet u blyb zwäg!
Thom (Reisender, Schreiber, Geniesser)

Hallo Thom!
Danke vielmals für deine Antworten. Du hast mir da eine ziemlich interessante, aber auch komplexe Frage gestellt.
Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich nicht allzuviel darüber weiss. Was ich aber sagen kann, ist, dass ich es als sehr unnötig und anstrengend empfinde, wenn sich Erwachsene (meist Männer) nicht wie solche verhalten. Sie lösen Konflikte, indem sie Hass und Gewalt verbreiten, obwohl ich ja der Meinung bin, dass es auch ohne funktionieren könnte. Vermutlich liegt das daran, dass es ihnen an Empathie und auch Verstand fehlt. Dafür werden dann die Unschuldigen bestraft und müssen leiden. Das finde ich sehr traurig und problematisch.
Nun zu deiner zweiten Frage: Ich möchte seit der 7. Klasse Psychotherapeutin werden und das hat
sich bis jetzt noch nicht geändert. Jedoch hat sich da noch ein zweiter Wunsch dazugesellt: Ein Praktikum hat mein Interesse an einem Beruf in der Pflege geweckt. Vor allem im Bereich der
Altenpflege hat es mich gepackt. Das heisst jetzt nicht, dass ich einen anderen Beruf ausüben will. Ich habe jetzt einfach zwei Traumberufe, wobei ich hoffentlich beide ausüben werde.
Da es bei deiner ersten Frage um die Welt und ihr Geschehen ging, habe ich eine etwas ähnliche
Frage: Es wird oft gesagt, dass früher alles besser war. Bist du auch dieser Meinung, und warum bzw. warum nicht?
Äs schöns Tägli u viu Spass bim Schribe!
Jana (2. Jahr im Gymnasium)