SEE-SPIEGEL > Allgemein > Perspektiefen – Folge 6

Ein Briefwechsel der besonderen Art, mit Höhenflügen und Tiefsinn, wertvollen Einblicken und tollen Aussichten. Folge 6: Über Bähnler, Boote, Lehrerschaft und Autoritäten.

Tom Feuz

Liebe Jana

Danke für deinen letzten Beitrag! Du bist gerne zu Fuss oder im Zug unterwegs (dein Papa ist Buschauffeur, nicht wahr…?!), freust du dich, wenn Menschen grüssen und sich in die Augen sehen. Dann fragtest du nach meinem Lieblingsverkehrsmittel.

Du hast mich voll erwischt! Denn: Ich bin Sohn eines Bähnlers, wir hatten kein Auto, ich machte den «Führer»schein erst mit 20, hatte rund 20 Jahre ein 2.-Klass-GA und wohl ein Dutzend Velos, machte als 20-Jähriger einen Schnupperkurs fürs Flugbrevet und bekam auch mal als Dank für einen Dienst einen Tandem-Deltaflug geschenkt. Was also ist das Lieblingsfahrzeug eines spätberufenen Auto-Mobilisten? Völlig naheliegend: mein Boot.

🙂 – Inzwischen ist‘s nur noch ein halbes, weil ich es mit einem Kollegen teile. Egal, es bedeutet volle Erholung, ist mit einem Fussmarsch zum Steg verbunden und jedes Mal ein kleines Abenteuer.

Hab ich dir erzählt, dass ich mal Seemann werden wollte (gut, auch Lokführer, Stationsvorstand, Lehrer, Dichter…)? Ein Besuch in Hamburg verunsicherte mich, wie auch der Hinweis meiner Tante Louise sel., Seeleute seien «raue Gesellen», mich fest ans Festland binden sollte. Also: Boot! Dabei denke ich kurz an die Arche Noah zurück. Schiffe – ein zeitlosverlässliches Transportmittel?

Was ich gerne wissen möchte: Wie haben‘s junge Leute so mit der Lehrerschaft? Wie denkst du, und wie deine Kolleginnen und Kollegen? Ich bin gespannt.

Häbs guet u blyb zwäg!
Thom (Reisender, Schreiber, Geniesser)

Hallo Thom!

Zu deiner Frage rund um die Lehrerschaft und Autoritäten hab ich mir ein paar Gedanken gemacht und mit meinen Kolleg:innen ausgetauscht.

Für uns sind Lehrer ein Rätsel. Bereits mehr als einmal haben wir uns gefragt, wie Lehrer es ihr ganzes Leben lang in der Schule aushalten. Da hatten wir schon etwas Mitleid. Im Gymer ist es so, dass Lehrpersonen meist sehr nett sind. Und doch fällt auf, wie wichtig es ist, dass die Lehrperson ihr eigenes Fach versteht und auch erklären kann.

Auch das ganze Thema rund ums Korrigieren ist immer wieder brandaktuell. Es gibt Lehrer:innen, die ihre Tests innerhalb von zwei Wochen korrigiert haben, und andere schaffen es in fünf bis sechs Wochen nicht, oder sogar länger. Das stösst bei uns immer wieder auf Unverständnis, da wir auch für mehrere Tests innerhalb einer oder zwei Wochen lernen sollten. Aber natürlich ist es besser, wenn unsere Lehrer kein Burnout haben und wir etwas warten müssen.

Zusammenfassend muss man aber zugeben, dass Lehrpersonen eine eigene Spezies bilden könnten, wie es in Berufsfeldern noch so typisch ist. Und trotzdem sind wir froh, gibt es sie. Ein bisschen Mitleid darf auch nicht fehlen.
 
Nun kommen wir auch schon zu meiner neuen Frage: Wie war es so zu deiner Schulzeit? Welche Fächer gab es so und welche davon mochtest du sehr bzw. gar nicht? Denkst du, Schule jetzt ist sehr anders – und wie?

Äs schöns Tägli u viu Spass bim Schribe!
Jana (2. Jahr im Gymnasium)

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