SEE-SPIEGEL > Gerzensee > Wiedereröffnung Bären Gerzensee: Zwei Köche und ein Traum

Wiedereröffnung Bären Gerzensee: Zwei Köche und ein Traum

Am 5. September 2026 feiert der Bären Gerzensee grosse Wiedereröffnung: Neu werden Tino Siegfried und Marc Krebs den Betrieb führen. Die beiden Freunde erfüllen sich damit einen langgehegten Traum, der sie aber auch viele schlaflose Nächte kostete.
Fotos: Sheila Matti

Marc Krebs und Tino Siegfried sind bereit für hektische, aber schöne Monate.

Acht verschiedene Sorten Weingläser stehen in einzelnen Kartons verpackt auf dem Tisch, angeschrieben mit blauen Post-it-Zetteln. Die letzten Tage haben Tino Siegfried und Marc Krebs – unterstützt durch Familie und Freunde – damit zugebracht, das Inventar des Gasthofs Bären zu sichten, zu sortieren und einzuschätzen. Ihre Vorgänger haben viel zurückgelassen – viel Nützliches, aber auch viele Überraschungen.

Siegfried und Krebs werden den Bären Gerzensee ab dem 5. September 2026 übernehmen. Ersterer fungiert als Gastgeber und Geschäftsführer, während Letzterer die Herrschaft über die Küche übernimmt. Der Weg zur Eröffnung war für die beiden engen Freunde jedoch kein leichter: Im Juli und August verbrachten beide praktisch jede freie Minute im Bären, putzten die Küche, strichen den Lieferanteneingang, erstellten Konzepte. Und das alles, während sie noch Vollzeit bei ihren alten Arbeitsstellen tätig waren.

Doch was tut man nicht alles für seinen Traum! Schon vor mehreren Jahren, als im Bären noch Betrieb herrschte, fantasierten Siegfried und Krebs darüber, eines Tages ein Lokal wie dieses zu übernehmen. Und als der Gasthof dann tatsächlich zur Verfügung stand, hiess es: Jetzt oder nie! Naja, zugegeben, so einfach sei es dann doch wieder nicht gewesen, erzählt Tino Siegfried: «Anfangs hatten wir dann doch sehr unterschiedliche Vorstellungen.» Nach einem ersten, sehr positiven Treffen mit Inhaber Jobst Wagner wurde aus der Wunschvorstellung dann aber langsam ein konkreter Plan.

Rösti mit dem gewissen Etwas

Die beiden gelernten Köche wollen den Bären wieder zu einem Ort der Begegnung machen, ein Lokal, in das man zum Geniessen kommt. Und vor allem auch ein Restaurant, das wieder Leben ins Dorf bringt. Egal ob Verein, Familie, Velofahrer oder Konfgesellschaft: An sechs von sieben Wochentagen wird man im Bären sowohl zum Mittag- als auch zum Abendessen einkehren können. «Den Ruhetag am Montag gönnen wir uns», sagt Marc Krebs, auch wenn es für ihn schon jetzt klar ist, dass es wohl auch an diesem Tag viel zu erledigen gibt. Im Winter werde eventuell dann auch der Sonntag zum Ruhetag erklärt; dies müsse aber noch geprüft werden. Wobei sie für spezielle Anlässe stets offen wären.

Der Bär über der Eingangstür ist parat für den Neustart.
Foto: Sheila Matti
Die kleine Bar draussen soll an schönen Herbsttagen bereits zum Einsatz kommen.
Foto: Sheila Matti
Der beliebte Stammtisch soll dort blieben, wo er ist.
Foto: Sheila Matti
Noch sind die Stühle hochgestellt und der Gastraum ruhig.
Foto: Sheila Matti
Lauter verschiedene Servietten, die von den Vorbesitzern übergeben wurden.
Foto: Sheila Matti
Beim Rundgang wird deutlich: Die beiden hatten in den letzten Wochen viel zu tun.
Foto: Sheila Matti
Die letzten Wochen hat Marc Krebs damit verbracht, jeden Winkel der Küche zu putzen.
Foto: Sheila Matti
Im Keller finden sich viele verborgene Schätze.
Foto: Sheila Matti
Die Küche ist Marc Krebs Reich.
Foto: Sheila Matti
Die Kaffemaschine ist auch schon bereit für die neuen Gäste.
Foto: Sheila Matti
Acht verschiedene Sorten Weingläser haben die beiden Köche übernommen.
Foto: Sheila Matti
Und auch hier wieder: Gläser, Gläser, Gläser.
Foto: Sheila Matti
Nur ein einzelner Tisch ist gedeckt – er diente den beiden als Probegedeck.
Foto: Sheila Matti
Von draussen sieht alles aus wie gewohnt, doch der Neustart ist spürbar.
Foto: Sheila Matti
Frisch gestrichen: Das Treppenhaus und der Lieferanteneingang.
Foto: Sheila Matti
Blick durch das Fenster auf das Gantrischgebirge.
Foto: Sheila Matti
Auch das Besteck musste erst einmal einem Inventar unterzogen werden.
Foto: Sheila Matti

Neben einer regionalen, saisonalen und erschwinglichen Karte setzen die beiden, insbesondere auf Rösti. Neben den Klassikern soll es viele spezielle Kreationen geben, die ein wenig an Pizzen erinnern: Die Rösti als Basis, die mit vielen verschiedenen Zutaten belegt wird. So gibt es dann etwa die «Wie von der Insel Capri», eine Rösti Caprese also, mit Tomaten und Mozzarella. «Vielleicht gibt es dann auch für jeden Verein eine eigene Rösti», fantasiert Tino Siegfried und betont, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Vereinen und die Verankerung im Dorf seien.

Viele Ideen, viele Risiken

Allgemein fehlt es dem Geschäftsführer nicht an Ideen: So spricht er beim Besuch etwa von einem speziellen Korken-System, das die Gäste in jene mit viel und jene mit begrenzter Zeit einteilen soll, oder präsentiert die speziellen Bilder, welche die noch weissen Wände dereinst zieren werden. Die Euphorie für das Bevorstehende wird beim Besuch deutlich spürbar. Dann wiederum berichten sie auch von den Ängsten, Risiken und schlaflosen Nächten, die sie in den letzten Wochen begleitet haben. «Zum Glück stehen unsere Familien voll hinter uns», sagt Marc Krebs. «Ansonsten hätten wir diesen Schritt wohl nicht gewagt.»

Ein weiteres Hindernis war, verständlicherweise, das finanzielle Risiko. Insbesondere für Familienvater Marc Krebs wäre eine grössere Investition nicht möglich gewesen. Gleichzeitig war für Tino Siegfried klar: «Entweder mit Marc oder gar nicht!» Also gründete dieser selbstständig, mit seinem eigenen Kapital die Siegfried Gastro GmbH, welche als Betreiberin des Bären fungiert und bei der sowohl er als auch Marc künftig angestellt sind.

Siegfried und Krebs sind ein starkes Team – ein Zweiergespann, das sich vor rund fünf Jahren gebildet hat, als beide noch als Verkäufer beim Autohaus von Känel arbeiteten. Ob ihre Freundschaft den täglichen Stress überleben wird, den das Führen eines Restaurants mit sich bringt? «Das wird sich zeigen», meint Marc Krebs und grinst. «Wir geben uns schon jetzt manchmal auf den Deckel, aber das lässt sich mit einem Feierabendbier meist wieder begradigen.» Wichtig sei ihnen zudem eine klare Rollenteilung: Tino ist Herr im Gasthof, Marc gehört die Küche. «Und dazwischen ziehen wir eine dicke gelbe Linie», ergänzt Siegfried mit einem Schmunzeln.

Zurück zum Anfang