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Hunde gegen Wanzenplage? Im Fall von Sanju keine Frage!

Wanzen, Läuse und Co. sind lästig. Der Beizug von Fachpersonen lohnt sich. Heute kommen Kammerjäger und Co. nicht nur auf leisen Sohlen, sondern auch auf vier Pfoten. Der Wanzen-Spürhund Sanju, ein fünfjähriger Belgischer Schäfer, ist allen eine Nasenlänge voraus.

Ein top Team: Michaela Jocham und ihr Hund Sanju. Foto: Thomas Feuz

Für einmal scheint die Redaktion buchstäblich auf den Hund gekommen. Die Anregung dazu kam von Michaela Jocham, die einen Beitrag über ihren Hund Sanju vorschlug. Nun, die Redaktion witterte eine gute Story und nahm Fährte auf. Der Weg führte nach Gerzensee.

Als ich aus dem Auto steige, begrüsst mich ein Schäferhund lautstark. Ich spreche den vermeintlichen Sanju mit Namen an. Der Hundeflüsterer in mir scheint ausser Dienst zu sein, das Tier bellt weiter. «Das ist Amy, unsere Hundedame», ertönt da eine Stimme. Michaela Jocham begrüsst mich am Treppenabsatz. «Herzlich willkommen! Sanju wartet drinnen auf Sie.»

«Einer wie keiner»

Während ich Sanju zwischen den Ohren kraule, kuschelt Amy sich auf der Terrasse wieder in ihr Bettchen. Sie hat einen Weltmeistertitel in der Disziplin «Obedience1» (Gehorsam, Unterordnung, Arbeit nach System). Sanju übernimmt den Job der Spürnase vom Dienst: Er kann Wanzen in den kleinsten Ritzen, versteckten Winkeln, in Autos oder Gepäckstücken aufspüren. Sanjus Dienste sind gefragt, wie seine Halterin ausführt. Michaela Jocham verfügt über ein grosses Netzwerk durch ihre Trainerin, Frau Caro Höfer vom Suchhundecenter, und hat somit Kontakt mit mehreren Kammerjägern, also professionellen Ungezieferjägern.

«Weil ich rasch verfügbar bin, kann ich oft schon am Tag nach einer Anfrage vor Ort eintreffen. Die Erleichterung ist jeweils auf allen Seiten gross. Es ist unglaublich, wie schnell und zielgerichtet Sanju seine Arbeit macht. Für mich ist er einzigartig.»

Die Idee für eine Ausbildung als Spürhund kam in der Swiss Dog-Arena in Münsingen auf. Eine ihr unbekannte Kursteilnehmerin ermutigte Michaela Jocham zur Teilnahme am «Workshop für Spürnasen». Wie sich zeigen sollte, waren auch Kurse für künftige Bettwanzenhunde ausgeschrieben. Der entsprechende Kurs dauerte ein Jahr. «Mit Caro Höfer vom Suchhundecenter hatte ich die beste Suchhundetrainerin an meiner Seite. Sanju schloss die Ausbildung mit Bravour ab.»

Seitdem hat die eifrige Spürnase über ein Dutzend Einsätze hinter sich. «Sanju hat nie versagt. In praktisch allen Fällen hat er Wanzen einwandfrei aufspüren können», freut sich Frauchen. Ein Leben ohne Hunde könnte sie sich nicht vorstellen.

Mit Sanju auf Wanzenjagd

Unter einem «verwanzten» Zimmer verstehen thrilleraffine Menschen Räume mit Abhörgeräten. Die anzen jedoch, die für Sanjus Schnüffeltraining verwendet werden, befinden sich in kleinen Glasröhrchen und krabbeln munter auf einem Stückchen Papier herum. Dank der kleinen Membran am einen Ende verbreiten sie ihren Geruch, der von Sanju & Co. unüberriechbar ist.

«Wanzenspürhunde werden also nicht mit Wanzen gefüttert?», frage ich bewusst naiv. «Keinesfalls!», entgegnet Michaela Jocham entschieden. «Aber sie werden gezielt darauf trainiert.» Wie das geht, zeigt sie anhand der beliebten kleinen Plastikkegel, den «Kong». «Wir beginnen mit dem grossen Kong», erklärt Trainerin Michaela. Auf ihr Kommando «Move!» versucht Sanju, den Kong zu schnappen. Beim Befehl «Stop!» bleibt Sanju bockstill stehen, Ohren und Rute nach oben gerichtet. Entlastung kommt nach dem Befehl «Chillen!», worauf sich Sanju auf seine Matratze legt.

Sanju ist ausgebildeter Suchhund. Sein Spezialgebiet: Bettwanzen. Foto: Thomas Feuz

 Gut und schön, denke ich. Und dann?

«Der Kniff besteht darin», nimmt Michaela Jocham den Faden auf, «dass die Kongs immer kleiner werden, bis ich schliesslich nur einzelne Krümel in einem Zimmer verstecke. Sanju stöbert diese zweifelsfrei auf und bleibt sofort stehen, wenn er etwas davon gefunden hat.»

In einem weiteren Schritt werden die Hunde auf den Geruch der kleinen Plagegeister konditioniert. «Dies geschieht mit der Kombination von Kong-Krümelchen und den Wanzen in den Röhrchen. Sind die Hunde an diesen Geruch gewöhnt, werden schliesslich nur noch die Wanzen versteckt.» Etwa in einem langen «Lineup» von 60 Kegeln: Sanju schnüffelt sich von Behälter zu Behälter durch, bis er beim letzten Kegel mit Wanzen stehen bleibt und mit dem Schwanz wedelt.

Im Einsatz trägt Sanju ein kleines Halstuch, das ihn als Suchhund auszeichnet. «Ansonsten bewegen wir uns diskret und unauffällig. Gerade in einem Hotel wäre alles andere unprofessionell.» Von jedem «scharfen» Einsatz gibt es ein Protokoll. Die Einsätze können präventiv erfolgen, etwa das Gepäck nach der Heimkehr aus den Ferien oder eine Ferienwohnung, und natürlich nach Wanzenbissen, quasi als Bestätigung. Kamen zuvor Schädlingsbekämpfungssprays zur Anwendung, dürfen Hunde aufgrund ihrer empfindlichen Nase nicht mehr eingesetzt werden. Frühestens 4 bis 6 Wochen nach der Behandlung darf der Hund einer Nachkontrolle ausgesetzt werden. Die Kosten für einen Einsatz umfassen eine Pauschale pro Gepäckstück, Zimmer oder Auto sowie eine Kilometerentschädigung.

Freunde fürs Leben

Das Ehepaar Jocham zog vor 30 Jahren in die Schweiz. Neun Monate später fand der erste Hund, Gina, zum Paar. Seither gehörten Hunde fest zur Familie. Nach der Familienzeit mit zwei Söhnen wurde das Paar Anfang Dezember Grosseltern.

Und was macht Michaela Jocham, wenn sie mal etwas Zeit hat? «Ich stricke für mein Leben gern», sagt sie. Aktuell sind es Babyklamotten, «mit einem Äffchen», und eine grosse Bettdecke. Daneben liebt sie es, mit ihrem Mann einen SCB-Match zu besuchen oder gemeinsam auswärts essen zu gehen. Es duftet aus der Küche, wo Gatte Uwe im Küchenschurz hantiert. «Es riecht nach…», beginne ich – «… nach Rindersteak vom Black Angus, Gratin Dauphinois und Blaukraut», ergänzt der Mann am Herd frohgelaunt. Seine Frau lächelt. «Da hat noch jemand sonst einen guten Riecher, nicht wahr?», raune ich Sanju zu, bevor ich mich vom sympathischen Quartett verabschiede.

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