Seit sieben Jahren betreibt Matthias Reinhard, Kirchdorf, mit dem Anbau von Indianerbananen ein ziemlich exklusives Hobby. Die exotischen Früchte kommen nach seinen bisherigen Erfahrungen bestens mit unserem wärmer werdenden Klima zurecht und benötigen zudem keine Pflanzenschutzmittel. Deshalb wären sie wohl auch kommerziell interessant – wenn es da nicht gewisse Hürden gäbe.

max. ca. 3,5 m hoch werden.
«Indianerbananen» haben nichts mit Bananen zu tun. Es handelt sich um einen Strauch oder mittelgrossen Baum, der botanisch zur Familie der Annonengewächse gehört. Die korrekte Bezeichnung ist «Dreilappiger Papau» oder wissenschaftlich Asimina triloba (L) Dunal. Beheimatet ist die Indianerbanane in den USA. Ihr Name kommt wahrscheinlich daher, dass einige indigene Indianerstämme die Früchte, die einen bananenähnlichen Geschmack haben, seit jeher als Nahrung nutzten.
Angefangen hat Matthias Reinhard 2020 mit einer Versuchsanlage in Gerzensee: 42 Bäumchen stehen am südlichen Dorfrand in Reih und Glied und machen einen sehr gesunden Eindruck. 2022 folgte in Kirchdorf eine zweite Anlage von 11 a Fläche, und nun ist sogar eine grössere Plantage mit 70 a (entspricht ziemlich genau einem Fussballfeld) in Planung; diese soll mit einem (baubewilligungspflichtigen) Wildschutzzaun versehen werden, weil vor allem der Dachs die Früchte überaus liebt. Aber auch die Rehe sollen damit ferngehalten werden.

Pflegeleicht
Die Indianerbanane benötigt im Jugend-stadium etwas Schatten, aber sonst liebt sie es warm. Als Pfahlwurzler gedeiht sie am besten in tiefgründigen, nährstoffreichen Böden ohne Staunässe.
«Über Nagelfluh z.B. kommts gar nicht gut», hat der gelernte Gartenbauer Matthias Reinhard erfahren. Sobald die Pfahlwurzel tief genug reicht, überdauern die Pflanzen Trockenperioden gut. Auch werden sie kaum von Krankheiten oder Schädlingen befallen, d. h. man benötigt keinen Pflanzenschutz (Spritzmittel). Winterkälte bis minus 30 Grad erträgt der Strauch oder Baum problemlos und schneiden muss man ihn kaum, allenfalls etwas in Form halten. Die Blüten erscheinen ab Ende April über einen ganzen Monat verteilt und sind deshalb weniger spätfrostgefährdet als z. B. jene von Kirschen oder erst recht von Pfirsich und Aprikose. Kurzum: Indianerbananen sind robust und pflegeleicht, sobald sie dem Jugendstadium entwachsen sind.

Um mehr Erfahrungen mit den exotischen Pflanzen zu sammeln, hat Matthias Reinhard insgesamt 29 verschiedene Sorten angepflanzt (im weltweit wichtigsten Anbaugebiet, den USA, soll es davon hunderte geben). Die Jungpflanzen bezieht er grossenteils von einem Lieferanten in der Region München; dieser habe Beziehungen zu vielen Züchtern in den USA und deshalb Zugang zu interessanten Sorten. Ein weiterer wichtiger Lieferant ist die Familie Hess, die in Mammern am Bodensee die wohl älteste Indianerbananen-Plantage nördlich der Alpen betreibt.
«Inzwischen haben aber auch manche Baumschulen – wie z. B. die Biobaumschule Glauser, Noflen – Indianerbanane im Sortiment, denn immer mehr Gartenfreunde werden auf die exotische Frucht aufmerksam», berichtet Matthias Reinhard. «Mit ihren dunkelroten Glockenblüten und den grossen gelben Blättern im Herbst sind die Bäumchen nämlich auch sehr dekorativ.»

Die meisten Indianerbananen-Sorten sind Fremdbestäuber, d.h. es müssen verschiedene passende Sorten nebeneinander angebaut werden, damit sich Früchte bilden. Aber selbst dann funktioniert die Bestäubung bei uns eher schlecht, weil in Europa geeignete Insekten fehlen; die Honigbienen etwa bleiben den Blüten – wohl wegen deren fauligem Geruch – fern. Behelfen könnte man sich durch Bestäubung von Hand; das klappe gut, sagt Matthias Reinhard, aber gebe viel zu tun. Deshalb arbeite er persönlich lieber mit selbstbefruchtenden Sorten wie «Sunflower» oder «Prima 1216»; für deren Bestäubung genügen kriechende Insekten, die bei uns zur Genüge vorkommen und die man allenfalls auch mittels geeignetem Unterwuchs fördern kann.
Aufwändige Ernte
Erst nach vier bis sechs Jahren kommen die Bäumchen richtig in Ertrag. Die Früchte werden durchschnittlich etwa 10 cm lang und 250 g schwer (ein Joghurt zum Vergleich wiegt 180 g), aber mit grosser Streuung nach oben und unten. Hinsichtlich der Inhaltsstoffe (Vitamine, Mineralien…) sind sie unseren einheimischen Obstarten überlegen. Sie sind aber auch sehr sättigend; nach einer Frucht hat man meist genug.

Frisch isst man die reifen Früchte am besten etwa vier Tage nach der Ernte, und zwar wie folgt: der Länge nach halbieren, die schwarzen Samen entfernen und das Fruchtfleisch wie ein Dreiminutenei auslöffeln. Der Geschmack ist intensiv und geht etwas Richtung Mango, Banane, Ananas, Melone und Vanille. Man kann die Indianerbanane natürlich auch zu Creme, Smoothie, Konfitüre, Joghurt/ Drinks verarbeiten oder in Gebäcken verwenden. Matthias Reinhard möchte demnächst auch versuchen, Konzentrat herzustellen und dieses an Gelaterias liefern.
Wer frische, reife Früchte bestellen oder weitere Infos möchte, melde sich am besten frühzeitig unter 077 454 36 07 oder über die Homepage www.bio-indianerbanane.ch!
Die Erntezeit erstreckt sich analog zur Blütezeit über einen ganzen Monat (ca. Ende Sept. bis Ende Okt.), weil nicht alle Früchte gleichzeitig reif werden. Das bedeutet, dass man mehrmals «überlesen» muss, denn am bekömmlichsten sind die Früchte, wenn sie am Baum ausreifen können. In reifem Zustand sind sie dann aber auch druckempfindlich und müssen vorsichtig behandelt werden, sonst bekommen sie einfallende Stellen, die rasch faulen. Ungekühlt muss man sie innert weniger Tagen essen oder verarbeiten, gekühlt halten sie vielleicht ein bis zwei Wochen.

Diese aufwändige Erntelogistik ist einer der Gründe, weshalb die Indianerbanane wohl eher ein Nischenprodukt bleiben wird. «Selbst in den USA gibt es nur wenige kommerziell erfolgreiche Plantagen, und die sind klein», weiss Matthias Reinhard.
Auch deshalb macht er noch andere Versuche mit exotischen Früchten, denen das sich ändernde Klima entgegenkommt, verschiedene Feigensorten etwa und Kaki. «Mir macht es Freude, Neues auszuprobieren, das in Zukunft ‹normal› werden könnte. Die Winter sind in den letzten Jahren spürbar milder geworden, aber das Spätfrostrisiko (Frost zerstört die empfindlichen Blüten) ist fast gleichgeblieben. Das schränkt die Auswahl ein.»
Ein Unsicherheitsfaktor
Noch nicht völlig geklärt ist offenbar die Gefahr, die von potenziell giftigen Acetogeninen ausgeht, wie sie in den Indianerbananenpflanzen – vor allem in der Rinde, der Fruchtschale und in den Kernen – vorkommen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz ist schon vereinzelt über dieses Thema berichtet worden, seit die Frucht vermehrt verkauft bzw. angepriesen wird.
Die meisten verfügbaren Berichte besagen, dass das Fruchtfleisch im Allgemeinen sicher sei, weisen aber auch darauf hin, dass Acetogenine in grossen Mengen Übelkeit oder – bei regelmässigem Konsum – neurologische Probleme, Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Reaktionen hervorrufen könnten. Man solle deshalb nur gut ausgereiftes Fruchtfleisch geniessen (Acetogenine im Fruchtfleisch werden während der Abreife abgebaut) und den Konsum mengenmässig nicht übertreiben.

«Seltsamerweise sind mir aus Amerika keine ähnlichen Berichte bekannt», sagt Matthias Reinhard dazu. «Man kennt die Frucht dort schon sehr lange und schätzt ihre gesunden Inhaltsstoffe. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat da keinerlei Bedenken. Aber ich sage den Kunden jeweils, dass es wichtig ist, die Früchte richtig ausreifen zu lassen, sowie Kerne und Haut vollständig zu entfernen.»
Bisher habe er im Übrigen keine Vorfälle mitbekommen und selber keine Auffälligkeiten bemerkt. «Übermässigen Konsum kann es aus meiner Sicht ohnehin kaum geben: Die Indianerbanane isst man als Delikatesse, und den meisten genügt eine Frucht vollauf. Ausserdem ist die Saison sehr kurz und die Früchte sind nicht lagerfähig – ein Zuviel ist auch deshalb kaum möglich. Aber auf jeden Fall werde ich die Thematik weiterverfolgen.»
Die Acetogenine werden übrigens neuerdings auch im Hinblick auf ihre Fähigkeit untersucht, Krebszellen zu bekämpfen. Und wer weiss, vielleicht halten die interessanten Pflanzen sogar noch weitere Überraschungen bereit?