Wo früher mit Können und Liebe gekocht und aufgetischt wurde, befindet sich heute die «Alti Liebi». Der Laden von Karin Hiltbrand lädt zum Stöbern und Entdecken ein. Zwischen Antiquitäten und Lieblings-stücken laden sechs gemütliche Sitzplätze im Ladencafé zum Verweilen bei einem feinen Getränk und Gebäck ein. Kein Zweifel: Der frühere Gasthof Linde treibt neue Blüten!

Fast scheint es, als stamme die Szenerie aus einer anderen Zeit. Das umgebaute Erdgeschoss des früheren Gasthofs «Linde» erstrahlt in anmutigem Weiss, grosse Fenster sorgen für Tageslicht, das edle Eichenparkett harmoniert mit den mehrheitlich in Weiss-, Natur- und Pastelltönen gehaltenen Arrangements. Zwischen sorgfältig ausgewählten Antiquitäten, Möbeln mit Geschichte und neuen, stilvoll passenden Fundstücken entstehen liebevolle Kompositionen, die Altes und Neues auf besondere Weise verbinden.
Dekoartikel, Karten und raffiniert platzierte Möbel laden zum Stöbern und Verweilen ein. Und mittendrin die Inhaberin Karin Hiltbrand, die mit viel Gespür für Details, Materialien und Atmosphäre jedes Stück sorgfältig auswählt und ihm seinen Platz gibt. Alles wirkt harmonisch und persönlich. Mit ihrem Geschäft «Alti Liebi» hat sie sich nach einem schwierigen Lebensabschnitt einen Herzenswunsch erfüllt.
Das ist die «Alti Liebi»
Ein Ort zum Verweilen, Entdecken und etwas Ich-Zeit zu geniessen – mit antiken Trouvaillen, Dekoartikeln, Wohnideen, Floristik, Geschenken, Naturmode, Ladencafé.
Dorfstrasse 16, 3116 Kirchdorf
076 440 28 28, alti-liebi@gmx.ch
Öffnungszeiten: Mi/Do/Fr 13-18 h,
Sa 11-16 h
www.alti-liebi.ch
Ein Traum geht in Erfüllung
Während Karin Hiltbrand an diesem späten Samstagnachmittag die letzten Kunden bedient, schlendert der Autor durch die geschmackvoll eingerichteten Verkaufsräume, die früher Küche, Restaurant und Säli der «Linde» beherbergten. Was hier entstanden ist, setzt auch so manchen Männerblick in Staunen.
«Es läuft gut» bestätigt die Interviewpartnerin erfreut. «Nach der Eröffnung mit über 70 Besucherinnen und Besuchern waren der November und Dezember gigantisch. Im Moment ist es ein wenig verhalten.» Januar halt, denke ich. Und trotzdem: Zwei Kirchdorferinnen sitzen gemütlich im kleinen Ladencafé, ein junges Paar erkundet den hinteren Teil der Ausstellung, zusammen mit einer älteren Frau, wohl der Mutter eines der beiden. Und an der Kasse bedient immer wieder mal eine aufgestellte Geschäftsleiterin, die gerne auch anderen eine Freude macht, wie sie sagt. «Sie dürfen noch eine Karte auswählen», ermuntert sie eine Kundin. «Bitte, bedienen Sie sich!» Die Geste stösst auf viel Gegenliebe; die Auswahl fällt der Kundin angesichts der vielen schönen Sujets offensichtlich schwer. Ein Trost vielleicht, dass ähnliche Karten auch käuflich erhältlich sind.

Bevor sie vor gut einem halben Jahr mit der «Alti Liebi» von Einigen nach Kirchdorf umzog, führte Karin Hiltbrand dort bereits denselben Laden – allerdings rund ein Drittel kleiner und ohne Keller oder grosse Lagerräume. Heute ist die Verkaufsfläche mehr als dreimal so gross und bietet Platz für zusätzliche Sortimente und neue Lieferanten.
Auf den möglichen Standort Kirchdorf wurde sie eher durch Zufall aufmerksam, oder durch «eine Fügung von oben», wie sie sagt. Sie, die alte Häuser liebt und aus diesem Grund gerne über Land fährt, kam auf einer Fahrt zu einem Sommermarkt in Rüeggisberg an Kirchdorf vorbei. Der leerstehende Gasthof «Linde» fiel ihr sofort auf.
«Teilweise hingen Elektrokabel von der Decke herunter», erinnert sie sich. Trotzdem war es Liebe auf den ersten Blick. Sie kontaktierte die Immobilienagentur und hielt kurz darauf den Mietvertrag in der Hand. Weil der Umbau in Wohn-, nicht aber in Geschäftsräume bewilligt worden war, ergab sich ein Zusatzaufwand, auch finanziell.
Zwischen Alt und Neu
Karin Hiltbrands Laden vereint antike Trouvaillen, besonderes Porzellan und Möbelstücke mit Geschichte, mit sorgfältig ausgewählten, modernen Dekoartikeln, die das Sortiment stilvoll ergänzen. Liebevoll arrangierte «Schätze», ein gemütliches Ladencafé sowie florale Arrangements und Gestecke, die ihre Floristin Steffi mit viel Kreativität gestaltet, laden zum Stöbern und Verweilen ein. «Im Ladencafé darf man einfach ankommen und geniessen. Und mein Cappuccino mit extra Milchschaum ist bei meinen Kundinnen und Kunden besonders beliebt», lacht sie. Bei Kaffee und Tee achtet sie auf Bio-anbau und authentische Sorten, das vielgerühmte «Milchschüümli» inklusive. Die persönliche, wohnliche Atmosphäre steht dabei bewusst im Mittelpunkt. In den Sommermonaten werden einige Sitzplätze im Freien das Angebot ergänzen – bei hausgemachtem Eistee oder einer Glace lässt sich die kleine Auszeit auch draussen geniessen.
Karin Hiltbrand ist oft auf Brocanten und Flohmärkten anzutreffen. «Ich drücke den Preis der Händler nicht ins Elend», umschreibt sie ihre Geschäftspraxis. Sie erkennt den Wert eines Gegenstands und ist bereit, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Bei alten Menschen feilsche sie sowieso nicht: «Der Schmerz, sich von etwas Liebgewonnenem zu trennen, ist oft schon so hart genug.»

Sie hat nicht nur ein gutes Gespür für Schönes, sondern auch eine feinfühlige Art. So beschäftigt Karin Hiltbrand eine ältere Freundin in Teilzeit. «Silvia ist seit Langem selbst auf Brocanten mit ihrem Verkaufsstand. Ich kaufte bei ihr viele wunderbare Sachen.» So kann es sein, dass Silvia mittwochnachmittags einen «Schatz» verkauft, der früher einmal bei ihr gestanden hat. Beide verstehen sich prima, privat und als Team.
Jetzt, wo Karin Hiltbrand gemütlich aus ihrem Erleben plaudert, sind der Umzug des Geschäfts und die Wiedereröffnung schon eine Weile her. «Wir arbeiteten teilweise bis morgens um drei, schliefen kaum vier Stunden und bereiteten die Wiedereröffnung mit letzten Kräften vor. Der Riesenansturm war phänomenal.» Das war eine grossartige Entschädigung für die intensive Arbeit und eine schöne Bestätigung ihres Entscheids zugunsten von Kirchdorf.
«Une vie en Rose»
Hat sie selbst Lieblingsstücke? Karin Hiltbrand lässt die Blicke schweifen. Ich bemerke, wie sie liebevoll auf den verschiedensten Stücken hängen bleiben.
«Vielleicht die Blumen», meint sie dann. In diesem Bereich kann sie die Passion für ihren Gemüse- und Blumengarten einbringen. «Rosen sind immer ein grosses Thema. Was ich schon an Porzellan mit Rosenmotiven verkauft habe!», lacht sie.
Die gelernte Drogistin ist in Thun aufgewachsen und wohnt seit rund 20 Jahren in der näheren «SEE-SPIEGEL»-Region. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten in der Natur und in ihrem Blumen- oder Gemüsegarten. Sie interessiert sich für vergangene Zeiten, alte Fotografien und Familiengeschichten – und auch für historische Fahrzeuge.
In der «Alti Liebi» spürt man in jedem Winkel Karin Hiltbrands Gespür für Atmosphäre und Details. «Eintreten, durchatmen, wohlfühlen»: Der Slogan auf der Website ist hier gelebte Realität. Die dezente Hintergrundmusik wählt sie selbst aus – und schafft so eine Stimmung, die man gerne geniesst und dabei leicht die Zeit vergessen könnte.
