Was beschäftigt unsere Jugendlichen? Vielleicht auch in Bezug auf die ältere Generation? Fragen, auf die viele schon immer eine Antwort haben wollten. Hier der 7. und letzte Beitrag der Serie.
Text: Nadja Zosso, Jaberg, red. Begleitung: Thomas Feuz, Jaberg

Wenn ältere Leute miteinander reden, verstehen wir Jungen oft nicht alles. Gewisse berndeutsche Ausdrücke kennen wir gar nicht mehr (auch Lehrer und Eltern haben oft keine Ahnung). Und oft sind Worte und Begriffe aus dem Mund von anderen Menschen einfach nur lustig.
Ich habe mich auf eine kleine Spurensuche gemacht, etwa bei Familienfesten oder Besuchen bei den Grosseltern. Einige ganz gelungene Ausdrücke möchte ich Ihnen hier präsentieren.
W wie «wättere»
Wer jetzt meint, es gehe ums Wetter, irrt sich gewaltig. Dieser Ausdruck wurde immer von meinem Grosi Rosi gebraucht, wenn sich mein Grossvater Ueli wieder einmal über die momentanen Weltgeschehnisse aufregte. Das tönte dann etwa so: «Oh, jetz isch wieder dert Chrieg… Scho wieder Hungersnot…! Dä Politiker het wieder Mischt bout…»
Dann sagte Grosi etwa zu uns: «Itz isch er wieder am umewättere! » Sie sagte das schon, als wir noch sehr jung waren. Weil ich Dinge immer sehr wörtlich nehme, konnte ich mir zuerst unter dem Satz nicht viel vorstellen. Aber es ist klar: Gemeint ist sich beschweren, lamentieren, «usrüefe».
X wie …
Zu X fällt mir wirklich nichts ein. Oder kennen Sie ein berndeutsches Wort mit X? Es ist schwierig. Auch «x-beliebig » oder «x-fach» sind ja nicht echte Ausdrücke. Dann nehmen wir doch einfach – «Chrömli». 🙂
Das Wort ist mir grad spontan in den Sinn gekommen. Und zwar deshalb: Mein anderes Grosi, Vreni (väterlicherseits) ist eine super Gastgeberin. Immer, wenn wir zu ihr gehen, werden wir sofort mit feinen Sachen bedient. Kaum haben wir uns gesetzt, tischt sie je nach Tageszeit etwas Salziges oder etwas Süsses auf. Selbstverständlich gibt es auch etwas zum Mittagessen, falls man «per Zufall» grad um diese Zeit eintrifft… Praktisch bei jedem Besuch sagt sie dann: «Ah, weiter no chly Chrömli?» Die kommen übrigens meistens aus dem VOLG und schmecken super.
Y wie «Yiis»
Diesen Ausdruck brauchte niemand von meinen Grosseltern. Er stand in einem Buch über Schweizer Märchen, das ich mit etwa zehn oder zwölf Jahren gelesen hatte. Im Märchen hatte es geschneit wie verrückt, meterhoch. Es gab viel Eis. Ein Mädchen buddelte sich Gänge durch den Schnee zu ihren Freunden und sie freuten sich über das Wiedersehen. Als dann die Sonne wieder schien, verschwand die Herrlichkeit aus Schnee und Eis. Und alle freuten sich auf den nächsten Winter.
Z wie «… Zimmer ufruume!»
Mein Grosi räumt immer die Zimmer auf, bevor jemand zu Besuch kommt. Und wenn wir bei ihr in den Ferien waren, erwartete sie das auch von uns. Als mein Schreibtisch einmal unglaublich zugemüllt war, bekam auch ich die Aufforderung zu hören, laut und eindringlich. Als ich ihr das Resultat meiner Putzaktion zeigte, meinte Grosi Rosi: «…da chönntsch no chly ufruume u dert no…»
Wie wichtig Ordnung ist, zeigt auch dieses Beispiel: Als ich diese Serie fertigschreiben wollte, musste ich entsetzt feststellen, dass ich mein Heft mit den Notizen und Vorschlägen von meinen Grosseltern nicht mehr fand… Was nun? Thom wusste Rat: «Komm schon! Dann improvisierst du halt!» Das Gleiche gilt ja im Theater auch, wenn jemand seinen Text vergessen hat. Ich denke schon, dass das Leben eigentlich eine grosse Bühne ist und ich meine «Rolle» gut spielen möchte.
Wegen meiner Ausbildung ist das nun mein vorläufig letzter Beitrag. Ich wünsche allen einen schönen Tag und viel Spass beim Lesen. Danke für die letzten zwei Jahre!
