Nach 31 Jahren an der Spitze des FC Gerzensee übergab Fabian Zulliger das Amt des Geschäftsführers per Ende 2025 an seinen Sohn. Im Interview spricht er über die Gründe, Schwierigkeiten und die Zukunft.

Fabian, nach über drei Jahrzehnten als Präsident, Geschäftsführer und Gründer hast du das Amt per 31. Dezember 2025 niedergelegt. Fiel dir dieser Schritt schwer?
Fabian Zulliger: Nein, für mich war es in vielerlei Hinsicht der richtige Schritt und ich konnte mich über längere Zeit darauf vorbereiten.
Welche Gründe hattest du für deinen Rücktritt?
In den letzten 10 Jahren kamen bei mir sowohl beruflich wie auch politisch immer wieder neue Aufgaben dazu. Als sich abzeichnete, dass ich voraussichtlich im Herbst 2025 als Grossrat nachrücken kann, war definitiv klar, dass ich verschiedene Aufgaben abgeben muss. Vergleichbar mit einer Nachfolgeregelung in einer Firma leiteten mein Sohn Sven und ich diesen Übergabeprozess vor zwei Jahren zusammen ein, damit der Generationenwechsel vollzogen und die Zukunft des Vereins auch ohne meine Person gesichert werden kann.
Böse Zungen könnten behaupten, dass Svens Übernahme blosse Vetternwirtschaft sei.
Hier muss man differenzieren: Die Geschäftsführung des FC liegt als Mandat schon seit 14 Jahren bei meiner Firma, Treuhand Zulliger. Das wird auch weiterhin so bleiben, nur, dass nun halt firmenintern die Projektverantwortung wechselt. Neu übernimmt Sven, der eben nicht nur mein Sohn, sondern auch Angestellter der Treuhandfirma ist.
Die operative Leitung des FCs ist aber mehr als nur ein Anstellungsverhältnis. Weshalb ist Sven der Richtige für diesen Posten?
In den letzten zwei Jahren hat mich Sven bei der Geschäftsführung bereits sehr stark unterstützt und entlastet. Er konnte so in aller Ruhe sämtliche Aufgabenbereiche kennenlernen. Seit Beginn der Saison 25/26 hat Sven die operativen Aufgaben des Geschäftsführers vollumfänglich übernommen und ich bin ihm lediglich noch unterstützend beigestanden. In dieser Zeit konnte Sven beweisen, dass er trotz seines jungen Alters von 22 Jahren bereit ist für diese Aufgabe.
Du übergibst ein Herzensprojekt an deinen Sohn, der erst noch für dich arbeitet. Ist ein sauberer Schnitt da überhaupt möglich oder bleibst du im Hintergrund tätig?
Loszulassen war für mich tatsächlich die grösste Herausforderung. Deshalb haben wir die Veränderung gut geplant und den Prozess über zwei Jahre laufen lassen. So konnte ich mich darauf vorbereiten und mich etappenweise aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Emotional war das manchmal nicht ganz einfach, rückblickend aber zwingend nötig. Als Ehrenpräsident werde ich bei Fragen immer zur Verfügung stehen. Grundsätzlich freue ich mich aber, den Verein in jungen, guten Händen zu wissen. Die nächste Generation soll ihre Arbeit nun in Angriff nehmen und den Verein so führen, wie sie es für richtig hält.
Lass uns einen Blick zurückwerfen. 1994 wurde der Verein von dir und vier Gleichgesinnten gegründet. Woher kam die Idee?
Bereits in meiner Jugendzeit träumte ich davon, dass in Gerzensee früher oder später ein eigener Fussball-Club entsteht. Mangels vorhandener Infrastruktur schien dies aber nur ein Bubentraum zu bleiben. Bis sich dann einige Jahre nach dem Sportplatzbau des Studienzentrums Gerzensee auf einmal unerwartete Möglichkeiten eröffneten. Im November 1994 erhielten wir FCG-Gründer die Bewilligung, den Sportplatz am Trockenmaadweg für die Durchführung von Trainings und Spielen benützen zu dürfen. Das war der Grundstein für einen eigenen Verein.
Gibt es einen Moment, der dir in den letzten 31 Jahren speziell in Erinnerung geblieben ist?
Ich glaube es wäre vermessen, diesen einen Moment speziell herauszuheben. In diesen 31 Jahren gab es derart viele schöne und emotionale Erlebnisse. Jeder dieser Momente war für sich einzigartig und unvergesslich.
Die grössten Meilensteine des FC Gerzensees
– Der direkte Aufstieg von der 5. in die 3. Liga gab dem Verein während dessen Aufbau viel Rückenwind.
– Der Bau des Clublokals im Jahr 2003 gab dem Verein ein eigenes Zuhause.
– Der Gewinn des Sanitas Challenge Preises 2007 für die innovativste Nachwuchsarbeit in der Schweiz, dotiert mit 15’000 CHF, war eine grosse Anerkennung der Vereinsarbeit auf nationaler Ebene.
– Der Kunstrasenbau 2009 ermöglichte dem Verein den Ausbau der Nachwuchsabteilung und die ganzjährige Nutzung des Spielfeldes Bächlifeld.
– Die Auszeichnung zum Quality Club im Jahr 2024 war ein wichtiger Schritt, um die Vereinsarbeit breiter abgestützt und gut dokumentiert in eine neue Zeitepoche transferieren zu können.
– Der Ersatz des Kunstrasenspielfeldes 2025 gibt einer nächsten Fussballgeneration Planungssicherheit bezüglich der Nutzung einer zweckmässigen, attraktiven Sportinfrastruktur.
Nun da du viel mehr freie Zeit hast – wie wirst du diese künftig investieren?
Freizeit gibt es in meinem Kalender leider auch in Zukunft nicht viel (lacht). Seit dem 1. Oktober 2025 bin ich als Grossrat tätig und stehe derzeit im Wahlkampf für die Grossratswahlen vom 29. März 2026. Gerne würde ich mich auch in den nächsten 4 Jahren für die Anliegen der KMU, des ländlichen Raums, von Jugend und Sport sowie für die Vereinsarbeit in Bern einsetzen.
Und was wünschst du dem FC Gerzensee für die Zukunft?
Ich wünsche dem FCG viele engagierte Mitglieder, einen guten Zusammenhalt im Verein und viele begeisterte Kids, die in ihrer Freizeit Fussball spielen wollen.






