Neuer Kunstrasen, neuer Unterbau, neue Umzäunung: Die Sanierungsarbeiten des Kunstrasenfelds Gerzensee sollten mittlerweile abgeschlossen sein. Gemeinderätin Monika Tschannen blickt auf eine nicht immer einfache Projektphase zurück und erläutert die wichtigsten Projekt- und Diskussionspunkte.
Lief alles nach Plan, ist er jetzt bereits da: Der neue Kunstrasen der Gemeinde Gerzensee. Anfang November rückten die Spezialmaschinen an, entfernten und schredderten den vorherigen Kunstrasen und ersetzten ihn durch ein neues, nachhaltigeres Modell. Fünf bis sechs Wochen sollten die Hauptarbeiten dauern, je nach Witterung. Nach fast zwei Jahren voller Planung und Diskussionen liegt es am Ende also ganz in Petrus Händen.
Der Fussballplatz neben dem Schulhaus ist eine emotionale Angelegenheit. Jede Woche trainieren und spielen hier etliche Menschen, nicht nur aus Gerzensee, sondern aus den umliegenden Gemeinden, von Gastclubs oder vom Studienzentrum. Es ist ein Ort der Freude, der Trauer, der Ambitionen – ihn mit einem neuen Rasenteppich zu versehen, ein wichtiger Schritt, der gut geplant werden will. Verständlich also, dass die Projektphase nicht ganz ohne Diskussionen über die Bühne ging. Es sei tatsächlich eine zähe Sache gewesen, gibt Monika Tschannen, die zuständige Gemeinderätin, zu: «Die kürzlich durchgeführte Sanierung der MZA war um vieles komplexer und anspruchsvoller – aber mit halb so viel Emotionen beladen wie das Kunstrasenprojekt.»
Planerische Herausforderungen, gemischt mit verhärteten Fronten: Kein Wunder, dass es zu Verzögerungen kam. Eigentlich hätte an der Gemeindeversammlung vom Herbst 2024 über das Projekt abgestimmt werden sollen. Weil aber noch zu viele Punkte ungeklärt waren, wurde das Geschäft um ein halbes Jahr verschoben. Im Mai 2025 schliesslich konnte Monika Tschannen den Anwesenden der Gemeindeversammlung ein umfassendes, gut durchdachtes Gesamtprojekt präsentieren. Mit Erfolg: Der Verpflichtungskredit von 760’000 CHF wurde mit überragender Mehrheit angenommen.
Die drei grössten Diskussionspunkte
Einerseits stand die Projektführung zur Diskussion. Neben der Gemeinde wurde als Hauptnutzer der Rasenfläche auch der FC Gerzensee ins Spiel gebracht, «es wurde aber schnell klar, dass im Interesse der gesamten Gemeinde, aber auch auf Wunsch des Grundeigentümers das Projekt bei der Gemeinde angesiedelt bleiben musste», so Tschannen. Zur Erklärung: Das Grundstück befindet sich im Eigentum des Studienzentrums der Nationalbank, die Gemeinde ist aber vertraglich als Baurechtsnehmerin festgelegt, weshalb auch sie für den Bau und Betrieb der Anlage verantwortlich ist.
Andererseits musste das Finanzielle geklärt werden. Die Gesamtkosten für
die Sanierung des Kunstrasenspielfelds sowie der Ersatz der Beleuchtung wurden auf rund 760’000 CHF veranschlagt – ein Betrag, den die Gemeinde aufgrund der angespannten finanziellen Lage unmöglich selbst tragen konnte. «Deshalb haben wir den Kontakt mit den umliegenden Gemeinden,
dem Studienzentrum sowie den Vereinen aufgenommen», erzählt Monika Tschannen. Insbesondere was die Beteiligung des FC Gerzensee betraf, gingen die Vorstellungen anfangs weit auseinander. Doch auch hier sei man nach langen Verhandlungen einig geworden.
Zu guter Letzt gab es auch kritische Stimmen bezüglich des Umfangs des Projekts. «Es gab Diskussionen, ob die Umzäunung und der Ersatz der Beleuchtung gleichzeitig mit dem Rasenfeld gemacht werden sollen», resümiert Tschannen. Schlussendlich sei es aber sinnvoll, alle Komponenten gleichzeitig zu erneuern. «Der Fussballplatz liegt mitten im Wohngebiet», so Tschannen, «da müssen wir auch die Betroffenen mit ihren Bedürfnissen berücksichtigen.»
Der ganze Umfang des Projekts
Während das Wer, das Wie und das Womit zu reden gaben, stellte niemand das Weshalb in Frage. Der alte Kunstrasen musste ersetzt werden, da waren sich alle Parteien einig. Der 2009 in Betrieb genommene Kunstrasen hatte nach 16 Jahren intensiver Nutzung sichtbare und für die SpielerInnen auch spürbare Mängel. «Der Rasenteppich hat «Haare» gelassen», formuliert es Monika Tschannen und zeigt Bilder
der Spalten und Furchen im Untergrund. Zudem habe sich in der Zwischenzeit viel getan, was die Spielqualität und die Nachhaltigkeit von Kunstrasen anbelangt.
Der alte Kunstrasen war mit Kunststoffgranulat verfüllt: Diese Komponenten mussten sauber entfernt und fachmännisch entsorgt werden. Das neue Modell hingegen wurde unverfüllt verlegt und kann so – wenn irgendwann wieder eine Sanierung nötig ist – zu 100 Prozent rezykliert werden. Um den Rasenteppich zu erneuern, musste zudem der Unterbau ersetzt werden. Die Bagger hatten in den letzten Wochen also einiges zu tun.
Auch die Ballfänge waren in die Jahre gekommen und mussten, wo nötig, repariert und ergänzt werden. Hier wurde zudem der Schutz optimiert, so Monika Tschannen: «Neu werden zudem auch an den Seitenlinien zum Bächli wie auch zum Trockenmaadweg, im Bereich der Tore, Netze von jeweils 15 Meter Länge eingerichtet. So kann das Feld künftig problemlos auch quer bespielt werden.» Und damit nicht das Gefühl entsteht, in einem Käfig festzusitzen, können diese neuen, seitlichen Netze bei Nichtbedarf einfach zusammengestossen werden.
Weiter umfasst die Sanierung auch die Beleuchtungsanlage. Einerseits werden energieeffiziente LED-Strahler installiert, andererseits will man auch die Lichtemissionen möglichst gering halten, sagt Tschannen: «Um möglichst viel Rücksicht auf die Anwohnerinnen und Anwohner zu nehmen, wird die Beleuchtung dimmbar und sektoriell abschaltbar gestaltet.» Obwohl der hierfür nötige Betrag im Rahmenkredit bereits integriert wurde, ist die Baubewilligung noch ausstehend. Das Baugesuch sei aber eingereicht und liege bei den Fachstellen des Kantons zur Beurteilung auf: «Sobald wir hier grünes Licht haben, können auch die neuen LED-Strahler montiert werden.»

Ein zufriedenstellendes Ende
Zeit für Monika Tschannen, durchzuatmen. Auch wenn das Projekt nicht immer einfach zu handhaben war, war sie sich doch stets der Bedeutung der Rasenfläche bewusst. Beim Sportfeld handelt es sich nämlich um mehr als nur um ein ausgerolltes Stück Plastik. Das Kunstrasenspielfeld stehe stellvertretend für das breite Angebot des Fussballclubs sowie des Turnvereins Gerzensee und sei öffentlich zugänglich: Es ermögliche Kindern und Jugendlichen, die Liebe zum Sport zu entdecken, prägende Begegnungen zu erleben und lebenslange Freundschaften zu schliessen.
«Dafür lohnt es sich, dass die Gemeinde ihre Infrastruktur unterhält und erneuert.» Ein grosser Dank gebühre zudem dem Hauswart-Team, das die Anlage mit viel Engagement betreibt und pflegt. Und natürlich der Stimmbevölkerung von Gerzensee, welche sich hinter die Sanierungsprojekte für die Mehrzweckhalle sowie das Kunstrasenfeld gestellt hat.
Wie wird das neue Kunstrasenspielfeld finanziert?
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Zu erwartende Beiträge: 1312_10cd5a-ab> |
CHF 1312_55a47c-ed> |
CHF 1312_a77ead-55> |
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Verpflichtungskredit der Gemeinde Gerzensee 1312_4cdc7a-1e> | 1312_d24128-61> |
760’000 1312_675341-af> |
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FC Gerzensee (inkl. Beitrag der Gemeinde Wichtrach von 50’000 CHF) 1312_85adc4-ce> |
150’000 1312_78e642-71> | 1312_fc413e-df> |
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Studienzentrum Gerzensee 1312_2aae3f-d8> |
50’000 1312_6f7a31-11> | 1312_794753-12> |
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Gemeinde Kirchdorf 1312_d8c936-60> |
40’000 1312_c266c9-02> | 1312_d31d9c-65> |
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Sportfonds Kanton Bern (ca.) 1312_4b65e0-94> |
40’000 1312_e5b374-7d> | 1312_87f823-53> |
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Förderprogramm LEDforFOOT Schweiz. Fussballverband SFV; BFE 1312_97b71f-2f> |
2’800 1312_114a05-ff> | 1312_2a7840-f1> |
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Verbleibende Kosten für die Gemeinde Gerzensee 1312_4f1912-73> | 1312_6d3439-0b> |
477’200 1312_0bfbcd-bf> |
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Beitrag aus der Mehrwertabschöpfung der Gemeinde Gerzensee 1312_3bfd12-5e> |
200’000 1312_e67756-e7> | 1312_8d9fc0-ca> |
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Nettoinvestition zulasten der Gemeinde Gerzensee 1312_9d68b0-00> | 1312_6e2cea-00> |
277’200 1312_e7d1c7-8c> |


















