Letztes Jahr durfte der SEE-SPIEGEL über die bevorstehenden Änderungen bei der Käserei Kirchdorf berichten. Mittlerweile gibt es viel zu erzählen: Das Betreiberpaar wird das Gebäude kaufen und künftig auch Käse aus dem Gantrischgebiet anbieten.

Neues Jahr, vertraute Umgebung: Wir sitzen erneut mit Roland Meier und Cornelia Lüthi am grossen Esstisch über dem Käsereiladen. Doch die Stimmung hat sich gewandelt. Waren die Gespräche vor wenigen Monaten noch von Unsicherheit geprägt, blicken die beiden heute voller Tatendrang in die Zukunft. Man spürt: Sie haben richtig Lust auf das, was kommt.
«Das Wichtigste zuerst», betont Cornelia Lüthi: «Wir übernehmen die Käsi und führen sie weiter!» Auch künftig bietet das charmante Lädeli alles für den täglichen Bedarf, während Roland Meier und sein Team die regionale Milch weiterhin in feine Spezialitäten verwandeln. Für die Kundschaft bleibt das bewährte Angebot somit bestehen.
Kaufen und umbauen
Roland Meier und Cornelia Lüthi planen, der Käsereigenossenschaft das denkmalgeschützte Gebäude im Dorfzentrum abzukaufen. Über den Preis ist man sich bereits einig; derzeit werden die letzten Details im Vertrag geregelt. Im Idealfall ist der Verkauf beim Erscheinen dieses Artikels bereits besiegelt.

Um den Zustand der Liegenschaft und die nötigen Investitionen genau abzuschätzen, wurden in den letzten Monaten diverse Sondierungen durchgeführt. Das Ergebnis führte zu einem klaren Etappenplan: Vorerst arbeitet das Team mit der bestehenden Einrichtung weiter. Selbst das reparierte Käsechessi, das im letzten Jahr für Schlagzeilen sorgte, bleibt in Betrieb. Da die Produktionsmenge nun deutlich kleiner ausfällt, lässt sich die Anlage engmaschig kontrollieren und sicher weiterbetreiben. Andere Projekte haben Vorrang, wie Roland Meier verrät: «Bereits diesen Frühling starten wir mit zwei verschiedenen Bauarbeiten.»
Dabei steht unter anderem ein Wanddurchbruch an: Ein Teil der ehemaligen Käserei wird zugunsten der Logistik weichen. «Die Ladenfläche selbst vergrössern wir nicht», präzisiert Cornelia Lüthi, «aber wir erweitern die rückwärtigen Räume, in denen wir den Käse aufbereiten und versandfertig machen.» Das soll die täglichen Abläufe für das Team spürbar erleichtern. Für diese Umgestaltung muss der Laden voraussichtlich ein bis zwei Wochen schliessen. «Darüber werden wir unsere Kundschaft rechtzeitig direkt vor Ort informieren.»
Expansion ins Gantrischgebiet
Gleichzeitig werden die Kellergewölbe optimiert. Wo heute noch die letzten Laibe Emmentaler reifen, ziehen künftig neue Spezialitäten ein: Käse aus dem Gantrischgebiet, produziert in der Alpchäserei Gantrischli – ganz hinten im Muscherenschlund. Das ist auch die grösste Neuigkeit: Roland Meiers Unternehmen mietet das Gantrischli für die Sommersaison 2026 und verkauft die dort hergestellten Produkte künftig in Kirchdorf. Der Standort Kirchdorf dient somit als Produktionsstätte für die bisherigen Produkte, als Verkaufspunkt für den Direktverkauf, als Reifungslager der Alp Gantrischli und als Verteil- und Administrationszentrum. Stand der Betrieb letztes Jahr noch fast vor dem Aus, folgt nun sogar eine kleine Expansion.

Das Gantrischli entpuppte sich als echter Glücksfall. Da Roland Meier nicht mehr bei der Käsereigenossenschaft angestellt, sondern nun komplett selbstständig ist, brauchte das Paar ein neues Standbein. «Die Suche war teilweise frustrierend», erinnert sich Cornelia Lüthi. Fast wie eine Aussendienstmitarbeiterin zog sie von Ort zu Ort, um nach neuen Abnehmern zu suchen. Gleichzeitig prüfte Roland diverse Geschäftsideen, mit dem Fazit: Um die Käserei Kirchdorf mit bestehenden Mitteln rentabel zu machen, braucht es viel Zeit – und diese rannte ihnen davon. Als sie den Mut schon fast verloren hatten, brachte Roland Meiers Vater das Gantrischli ins Spiel.
Fritz Meier, selbst erfahrener Käser, wird die Alpchäserei zusammen mit zwei Käser-Kollegen betreiben, welche bereits letzten Sommer in der Alpkäserei arbeiteten. Roland Meier fungiert dabei als Geschäftsführer und managt von Kirchdorf aus den Transport, die Affinage und den Handel der Alpprodukte: «Wir beziehen die Milch der sieben umliegenden Alpbetriebe – täglich etwa 2‘000 Liter – und verarbeiten sie während der Sommermonate.» Roland selbst wird somit in den Sommermonaten vor allem in Kirchdorf präsent sein. Die zum Gantrischli gehörende Buvette wiederum wird von Dominik Glauser geführt, dessen Eltern den Betrieb bereits früher führten. «So entstehen ideale Synergien», freut sich Roland Meier.
