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Der «Schäflflibuur» denkt ans Aufhören

Seit seiner Jugend hält Walter Gfeller Schafe. Nächstes Jahr wird er 80 Jahre alt und plant schweren Herzens, sein Hobby aufzugeben. Das könnten viele Grundeigentümer zu spüren bekommen, die ihre Wiesen bisher von seinen Schafen haben abweiden lassen.

Text: Lisa Zahran und Walter Tschannen

Walter Gfeller mit Schafen
Walter Gfeller in seinem Element. Foto: Walter Tschannen

Mit 8 Jahren hat Walter Gfeller von seinem Vater Hans eine «Aue», ein Mutterschaf, geschenkt bekommen. «Schau gut zu ihr, dann werden wir ihre Lämmer verkaufen und du darfst das ganze Geld behalten», versprach der Vater dem Buben. Walter befolgte diesen Rat – und das wurde zum Anfang seiner Leidenschaft: Seither hat er sich ohne Unterbruch und mit ganzer Hingabe dem Züchten von Schafen gewidmet. Er hat sie grossgezogen, an Ausstellungen präsentiert, dort viele Preise ge holt, präsidierte gar den Mittellän dischen Schafzuchtverband…

Während er früher die Rasse Braunköpfi ges Fleischschaf BFS bevorzugte, hält er heute auch noch Schwarzbraune Bergschafe SBS. Und obschon er insgesamt über 40 Tiere hat, kennt er jedes einzelne und besucht sie auch heute noch mit Freude!

Zäune stellen, Schafe zügeln…

Im Lauf der Jahre haben immer mehr Grundeigentümer Walter Gfeller angefragt, ob er seine Schafe nicht auch auf ihrer Wiese weiden lassen würde. «Natürlich wollte ich», erzählt er, «vor allem nachdem ich unseren Landwirtschaftsbetrieb nicht mehr selber bewirtschaftete. » Meist handelte es sich um kleinere, steile, schlecht zugängliche Parzellen, die aber dennoch irgendwie genutzt werden mussten. «Früher habe ich für das Gras jeweils sogar noch etwas bezahlt; das mache ich aber nicht mehr.» Denn der Arbeitsaufwand sei erheblich, berichtet Walter. «Das fängt bei der Planung an: Wenn man nicht aufpasst, steht das Gras plötzlich bereits fast zu hoch zum Weiden. Sodann muss man die Wiesen oft neu einzäunen und die Tiere an den neuen Ort zügeln – entweder zu Fuss oder aber verladen in einem passenden Fahrzeug. Bei heissem Wetter muss man ihnen täglich Wasser bringen und gucken, dass sie jederzeit Salz und Mineralstoffe haben.»

Dann kommt es halt auch mal vor, dass einzelne oder gleich alle ausbüxen – gerade während unserem Interview bekam Walter einen Anruf, dass 4 Schafe an einer Stelle gesichtet worden seien, wo sie überhaupt nicht sein sollten! Sofort machten wir uns auf den Weg, um sie beim Schlossgut wieder einzufangen. «In meinem Alter sind solche Blitzaktionen mühsam», merkt Walter Gfeller an. Und anschliessend muss man natürlich auch noch herausfinden, wo die Tiere den elektrischen Maschenzaun überschritten haben, und ihn reparieren.

Gfeller an der BEA 2000
Walter Gfellers Schafbock war Mister BFS an der BEA 2000! Foto: zVg

Winterarbeit

Walter Gfeller hat Weideplätze nicht nur in Gerzensee, sondern bis Thierachern; das ergibt täglich viele Kilometer… Aber im Winter geben die Schafe nicht viel weniger zu tun: Da wohnen sie im Stall und müssen täglich gefüttert werden. Auch muss man den Stall regelmässig ausmisten – von Hand, eine mühsame Arbeit. Manchmal hilft Sohn Andreas dabei.

Auch finanziell sei der Winter zunächst eine Hürde, berichtet Walter. «Seit ich selber nicht mehr Bauer bin, muss ich Heu und Stroh zukaufen, aber auch etwas Zusatzfutter in Würfelform.» Natürlich braucht es auch immer wieder Medikamente, etwa Wurmtabletten (von Magen-Darm-Würmern befallene Jungtiere z.B. magern rasch ab und können sogar sterben). Schafe zu halten ist kein billiges Hobby…

Aber gegen den Frühling läuft’s dann rund: So sind im März 2025 innerhalb von drei Wochen 18 neue Schäfl ein geboren worden! In dieser Zeit habe ich Walter beim Füttern geholfen und vieles verstehen gelernt. Die Lämmer wachsen im Sommer schnell heran und werden dann im Herbst – ca. 6 Monate alt und 42 kg schwer – geschlachtet. Das ergibt die wichtigste Einnahmenquelle, denn Schweizer Lammfl eisch ist gesucht; es deckt den Schweizer Verbrauch nur zu etwa 40%, der Rest muss importiert werden.

Schafe am Zügeln
Beim Zügeln einiger Schafe. Foto: Walter Tschannen

Für die Wolle hingegen gibt es heute fast nichts mehr: etwa 80 Rp./kg für die gute weisse und kaum 50 Rp./kg für Mischwolle. Das zahlt nicht mal das zeitaufwändige Scheren…

An den Rand seiner Kräfte hat Walter Gfeller eine neue Vorschrift des Bundes gegen die sog. Moderhinke gebracht, eine weit verbreitete bakterielle Klauenkrankheit der Schafe. «Früher konnte man diese mit einem antibiotisch wirksamen Spray bekämpfen, den man nach dem Klauenschneiden gegebenenfalls aufsprühte. Neu ist das verboten und man muss stattdessen allen Tieren ein Klauenbad verpassen, eine gewisse Zeit lang sogar 2x pro Woche! Diesen Aufwand hätte ich ohne Unterstützung durch gute Bekannte nicht mehr geschafft.»

Obschon somit diese Hürde überwunden ist, werde er nun seine Schafhaltung reduzieren, sagt Walter Gfeller. Gleich auf null Tiere? «Hmmm, das vielleicht nicht gerade…»

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