
WyG: Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus? Seit wann sind Sie in der heutigen beruflichen Stellung und wo?
Sch: Ich habe einen ziemlich langen Weg hinter mir. Nach der Schule habe ich zuerst eine Lehre als Elektroniker absolviert. Dies, obwohl für mich schon damals der Berufswunsch Rettungssanitäter klar war. Nach der Lehre entschied ich mich jedoch für den langen Weg. So wurde ich zuerst Pflegefachmann HF in der Fachrichtung Kinderpflege. In der Pflege arbeitete ich dann auch sechs Jahre im Kinderspital Bern auf einer chirurgischen Bettenstation und auf dem Notfall. Nach dieser Zeit begann ich ein Nachdiplomstudium zum Experten Anästhesiepflege im Regionalspital Thun. Und auch hier verblieb ich nach der Ausbildung noch drei weitere Jahre, bevor ich die Ausbildung zum Rettungssanitäter – also zu meinem ursprünglichen Berufswunsch – in Angriff nahm. Seither arbeite ich im Operationssaal und im Rettungsdienst im Spital Thun.
BeM: Ich bin gelernter Automechaniker. Seit 15 Jahre arbeite ich beim Strassenverkehrsamt in Bern und bin seit 2024 Bereichsleiter Fahrzeugprüfung (Landwirtschafts- und Spezialfahrzeuge.
LeV: Zuerst Lehre als Informatiker, dann Studium der Betriebswirtschaft. Ich binseit 20 Jahren in der Informatikbranche tätig, zuletzt als Geschäftsführer einer Informatik-Firma. Aktuell in einer beruflichen Neuorientierung mit Anstellung im Ausland ab Sommer 2025. Zum Zeitpunkt meiner Verpflichtung zur Verstärkung des Kommandos der Feuerwehr Region Gerzensee vor rund eineinhalb Jahren war mir nicht bewusst, dass ich Ende 2024 eine tiefgreifende berufliche Veränderung aufgrund externer Faktoren vollziehen werde. Ich stehe jedoch bis dahin der Feuerwehr und meinen Kollegen weiterhin mit vollem Engagement zur Verfügung.
WyG: Was war Ihre Motivation, Feuerwehrdienst zu leisten und heute das Kommando zu übernehmen?
Sch: Als Kind haben mich die Feuerwehrübungen neben unserem Haus immer schon fasziniert. So war für mich schnell klar, dass ich da auch mithelfen will. Später bin ich im Rahmen meiner Ausbildungen in verschiedenen Kantonen herumgekommen. Nach den Wohnortswechseln hat mir die Feuerwehr immer eine vielversprechende Möglichkeit geboten, mich rasch in einer neuen Gemeinde zu integrieren. Zum Kommando kam ich dann Schritt für Schritt.
BeM: Der Bevölkerung rund um den Gerzensee in Not zu helfen, denn ich bin auch froh, wenn mir in einem Notfall jemand zu Hilfe kommt.
LeV: Während meiner Jugend war mein Vater bei der Feuerwehr Kirchdorf dabei und in dieser Zeit habe ich zwei Grossbrände erlebt. Zu sehen, wie «das Dorf» in Notsituationen zusammensteht und einander hilft, ist bis heute meine Motivation, Feuerwehrdienst zu leisten. Dank der Feuerwehr bin ich Teil des Dorflebens, erlebe wertvolle Kameradschaft und kann mit einem zuverlässigen Team arbeiten. Als klar wurde, dass das Kommando der Feuerwehr Region Gerzensee eine Nachfolgelösung benötigt, haben wir gemeinsam mit dem gesamten Kader nach Lösungen gesucht, wie wir unsere Feuerwehr langfristig weiterentwickeln können. In diesem Zusammenhang habe ich mich auf Anfrage entschieden, meinen Teil beizutragen und die Verantwortung für die Feuerwehr auch auf Stufe Kommando mitzutragen.
WyG: Welche Aufgaben haben Sie seit dem 1.1.2025 neu übernommen?
Sch: Ich habe die Rolle als Kommandant der Feuerwehr übernommen. In unserem Dreierteam bin ich für die Koordination sowie für die finanziellen Anliegen der Feuerwehr zuständig.
BeM: Den Bereich Logistik und die Einsatzplanung.
LeV: Mein Ressort ist das Ressort «Personal». Zusammen mit Reinhard Reist, unserem Feuerwehr-Instruktor und Ausbildungsverantwortlichen, ist es unsere Aufgabe, die Ausbildung und personelle Entwicklung der Feuerwehr sicherzustellen.
WyG: Hat sich Ihr Leben seit der Kommandoübernahme spürbar verändert?
Sch: Schon vor der Übernahme hatten wir einen deutlichen Mehraufwand. Es ging darum, die Zeit, in welcher Bruno Wittwer noch im Amt ist, möglichst optimal zu nutzen, um viel von seinem Wissen abzugreifen. Zudem mussten wir klären, wie wir zu dritt und auch mit dem ganzen Kader der Feuerwehr zusammenarbeiten wollen.
Seit der Übernahme des Kommandos sind dann vor allem die vielen Telefonate dazu gekommen.
BeM: Die Frage kann ich heute noch nicht aussagekräftig beantworten.
LeV: Es ist die Aufgabe unserer Feuerwehr, den Bürgerinnen und Bürgern rund um den Gerzensee in Notfallsituationen zur Hilfe zu kommen. Dies entspricht einer grossen Verantwortung, welche das Kader und schlussendlich das Kommando trägt. Dieses Verantwortungsbewusstsein hat spürbar zugenommen. Die zusätzliche Verantwortung resultiert schlussendlich auch in mehr Arbeit und somit in zusätzlichem zeitlichen Engagement.
WyG: Welche Anforderungen sollte Ihrer Meinung nach ein Feuerwehrkommandant erfüllen?
Sch: Führungskompetenzen. Wir sind die Geschäftsführer eines KMU auf Milizbasis.
WyG: Was bringen Sie aus dem zivilen beruflichen Umfeld für das neue Amt mit?
Sch: Aus dem Zivilen konnte ich in meiner Tätigkeit in der Pfadi sehr viel über Führung und Projektmanagement lernen. Diese Kompetenzen kommen mir jetzt klar zugute.
Beruflich bringe ich nun Erfahrungen aus einer anderen Blaulichtorganisation mit in die Feuerwehr. Dies erleichtert die Zusammenarbeit in Krisensituationen sehr. Zudem bin ich es aus dem beruflichen Alltag gewohnt, in kritischen und stressigen Situationen ruhig und überlegt zu handeln.
BeM: Als Bereichsleiter führe ich rund 10 Mitarbeiter. Von dieser Erfahrung kann ich sicherlich auch in der Feuerwehr profitieren.
LeV: In meiner beruflichen Laufbahn habe ich viel Erfahrung im Bereich Leadership, Personal, Kommunikation und Krisenmanagement gesammelt.
WyG: Seit wann leisten Sie Dienst in der Feuerwehr und welche Grade und Funktionen haben Sie innegehabt?
Sch: Ich bin seit 2003 in der Feuerwehr. Erst in der Feuerwehr Courgevaux (FR), wo ich aufgewachsen bin. Später hat diese Feuerwehr mit Murten fusioniert, wo ich in den Atemschutz und in die «Personenrettung bei Unfällen» PBU kam. Später leistete ich auch im Kanton Solothurn Feuerwehrdienst. Zum Einsatzleiter wurde ich dann in der Feuerwehr Fraubrunnen, in welcher ich bis 2017 Dienst tat. Seit 2017 leiste ich meinen Feuerwehrdienst nun in der Region Gerzensee, wo ich zum 1.1.2025 zum Kommandanten und Hauptmann befördert wurde.
BeM: Ich bin seit 24 Jahren in der Feuerwehr Region Gerzensee. In dieser Zeit habe ich alle Kaderstufen bis zum Kommandant-Stellvertreter (Oberleutnant) durchgemacht.
LeV: WyG: Wie gross ist der jährliche zeitliche Aufwand für die Feuerwehr?
Sch: Darüber habe ich, glücklicherweise, noch nie Buch geführt.
BeM: Ca. 65 Übungen, Sitzungen und Rapporte (ohne Einsätze).
LeV: –
WyG: Erinnern Sie sich an ein besonderes Erlebnis?
Sch: –
BeM: Es gibt viele Erlebnisse rund um die Feuerwehr. Immer wieder schön sind Anlässe mit der Bevölkerung, insbesondere solche für Kinder.
LeV: – .
WyG: Erinnern Sie sich an Ihren speziellsten Einsatz?
Sch: –
BeM: Am 17.08.2022 Tag hatten wir ein Unwetter in unserem Einsatzgebiet, so wie wir es noch nie erlebt haben. Wir waren die ganze Nacht und am darauffolgenden Tag im Einsatz.
LeV: Ja, es war vor einigen Jahren ein Vollbrand bei Kramburg in Gelterfingen. Es war ein sehr trockener Sommer, das Objekt war direkt am Waldrand, die Wassersituation war sehr schwierig und wir mussten sicherstellen, dass sich der Brand nicht auf den Wald ausweitet. Wir waren dankbar, dass wir den Wald erfolgreich halten konnten und keine Personen zu Schaden gekommen sind.
Ein anderer, sehr schwieriger Einsatz war ein frontaler Autounfall zwischen Mühledorf und Kirchdorf mit einer schwer verletzten Person. Bei Ereignissen mit verletzten Personen in der Region ist die Belastung für die Nothilfe leistenden Feuerwehrfrauen und ‑männer immer besonders gross, weil man unter Umständen die Personen kennt und einen persönlichen Bezug hat.
WyG: Haben Sie Anliegen an die LeserInnen des See-Spiegels?
Sch: Wir erhalten sehr viele Telefonate aus der Bevölkerung, welche um die Hilfe der Feuerwehr bitten. Bitte nutzt dazu ausschliesslich die Notrufnummer 118. Nur so ist sichergestellt, dass rasch die richtige Hilfe am richtigen Ort eintrifft.
BeM: Seid achtsam im Umgang mit Feuer, und wenn dennoch ein Ereignis eintreten sollte, zögert nicht und meldet es sofort der Einsatzzentrale unter der Nummer 118 oder 112.
Die Notrufnummer ist der schnellste und effizienteste Weg, uns zu erreichen.
LeV: Unsere Feuerwehr funktioniert nur dank derjenigen, welche bereit sind, ihre Ressourcen einzusetzen, damit Hilfe in der Not geleistet werden kann. Wir verfügen über eine solide Basis und einen engagierten Kaderbestand. Dieses Jahr dürfen wir uns freuen, dass sich sieben 20-jährige Frauen und Männer sowie drei Neuzuzüger als Rekruten bei der Feuerwehr Region Gerzensee eingetragen haben. Damit wir die nachhaltige Entwicklung der Feuerwehr sicherstellen können, sind wir auf die politische und tatkräftige Unterstützung der LeserInnen des See-Spiegels angewiesen. Herzlichen Dank dafür!