Der Wärmeverbund Gerzensee, betrieben von der landw. Betriebsgemeinschaft Augstburger-Wittwer und der Energie Gerzensee AG EGAG, hat auch den zweiten Betriebswinter störungsfrei überstanden. Dank dem Wärmeverbund konnten seit Anfang 2025 55000 l Heizöl eingespart werden.

Bereits seit Herbst 2024 werden das Schulhaus, der Kindergarten und das Mehrzweckgebäude Gerzensee mit Wärme aus dem Wärmeverbund versorgt. Letzten Sommer hat die EGAG das Verteilnetz erweitert: Eine neue Hauptleitung führt nun ab dem Schulhaus zum Kreuz-Parkplatz, teils im Spülbohrungsverfahren erstellt, teils durch bereits eingelegte Leerrohre verlegt. Angeschlossen daran wurden das ehemalige Kreuz, die Liegenschaft Riem, das alte Postgebäude, das Ärztehaus und die Gemeindeverwaltung. Insgesamt hat die EGAG 2025 rund Fr. 330 000.– in den Ausbau des Wärmeverteilnetzes investiert, wie die Aktionäre an der 2. GV der EGAG Anfang Mai orientiert wurden. Die Jahresrechnung zeigt auch, dass sich mit dem Wärmeverbund keine grossen Gewinne erwirtschaften lassen; dafür sind die Margen zu gering.
Umso wichtiger sind vielleicht dessen «Nebeneffekte»: Laut Yanick Augstburger sind seit Anfang 2025 650 m3 Holzschnitzel verbraucht worden, was einer Heizöl-Einsparung von etwa 55 000 Liter und damit einer CO2-Reduktion um gut 147 Tonnen entspricht! Das Holz kam ausschliesslich aus der Gemeinde Gerzensee, die Holzbeschaffung obliegt der Keusen Waldmanagement GmbH, Gerzensee. Die entsprechende Wertschöpfung blieb somit grösstenteils in der Gemeinde (einzige Ausnahme: Hänni Rümligen, der das Holz zu Schnitzeln hackt). Als effizienzsteigernd für den Heizbetrieb wirke sich nach ersten Erkenntnissen aus, wenn man die Holzhaufen im Wald abdeckt, so dass das Holz besser vortrocknet, sagte Yanick Augstburger.
Es geht weiter
Auch in diesem Sommer wird das Wärmenetz wieder erweitert: es ist vorgesehen, das Oberdorf gemeinschaftlich anzuschliessen, sowie den Rosengarten. Die Wärmeerzeugung lief bisher nicht auf Volllast und kann diese zweite Ausbauetappe gut verkraften. Falls der Netzausbau jedoch danach wie erhofft weitergeht, wird in einem oder in zwei Jahren ein zweiter Heizkessel nötig; der Platz dafür ist vorhanden und vorbereitet. Es hat auch durchaus weitere Interessenten, die anschliessen möchten – vor dem Hintergrund der unsicheren weltweiten Energieversorgung erstaunt das nicht. Aber einzelne, kleine Anschlüsse in grosser Distanz sind für den Wärmeverbund wirtschaftlich nicht zu stemmen.
Eine weitere Herausforderung liegt im Sommerbetrieb; dieser ist wegen der geringen benötigten Wärmeleistungen (nur Warmwasser) zurzeit noch recht ineffizient.
Walter Tschannen, Gerzensee
Weitere Infos auf der Webseite von Energie Gerzensee.